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  • #1839
    Rosanne
    Teilnehmer

    Sehr geehrte Damen und Herren, ich möchte mich heute wieder mal an sie als Experten wenden. Habe letzte Woche einen HIV-Test machen lassen; er war aus Ihrer Sicht sicher wieder unnötig, aber um angstfei zu leben hatte ich mich dazu entschossen. Der Test ist negativ ausgefallen. Leider habe ich seit der Blutabnahme für den Test folgendes Problem: Direkt nach dem Rausziehen der Nadel (zur Blutabnahme) hat die Einstichstelle etwas gejuckt und "gebrannt". Es dauerte nur ein paar Sekunden, aber ich hatte sofort wieder Angst, daß HIV-Viren diese Symptome verursachten. Die Nadel hat der Arzt frisch aus der Packung genommen. Allerdings weiß ich halt nicht ob die Monovetten (kleine Blutröhrchen in die das Blut fließt) immer rein sind. Ich habe nun wieder Angst, daß jemand diese "Blutröhrchen" manipuliert hat. Ich stelle mir immer vor, daß z. B. ein HIV-Infizierter mit der Krankheit nicht zurecht kommt und auch andere Menschen anstecken will. Aus Rache weil er diese schlimme Krankheit hat. Ich glaube dann daß er Gegenstände wie z. B. Blutröhrchen, Impfungen o. andere Sachen manipuliert, also in diese infiziertes Blut mischt. Bitte verstehen Sie mich nicht falsch, ich möchte keinem etwas unterstellen oder jemanden verurteilen; habe einfach nur sehr große Angst vor HIV. Ich habe über die momentane Angst mit meinem Mann gesprochen und er meint, ich wäre weit ab von aller Realität. Ich könnte was HIV angeht nicht mehr normal denken. Vor der Blutabnahme habe ich vor dem Zimmer des Arztes gewartet. Ein junger Mann war vor mir dran. Als er aus dem Zimmer des Arztes kam, drehte er sich um u. schaute mich an u. sagte "Hallo". Da ich ihn nicht kannte, habe ich nun die Vermutung, daß er vorher ein Blutröhrchen mit HI-Viren manipuliert hat. Folgende Vorstellung habe ich: Er könnte beim letzten Besuch ein neues Blutröhrchen stehlen, es mit nach Hause nehmen und dann zuhause in das Blutröhrchen anhand einer Spritze etwas Blut füllen (also derjenige nimmt sich etwas Blut ab u. spritzt es dann in das Röhrchen). Beim nächsten Arztbesuch legt er dieses Röhrchen einfach wieder zu den Neuen dazu. Dies würde keiner merken. Und damit kann er andere anstecken. Ich bin mir bewusst das ich schon sehr seltsame Gedanken habe. Wie schätzen Sie meine Vorstellungen ein. Könnte es evtl. der Realität entsprechen? Es passiert doch so viel schreckliches auf dieser Welt; Junkies haben auch schon Leute mit ihrem Spritzbesteckt gestochen usw. Ich möchte Ihnen noch mitteilen, daß ich sonst immer klare Gedanken fassen kann, egal ob es mit der Schweinegrippe o. sonstigen Krankheiten ist. Nur in Bezug auf HIV entwickele ich diese Vorstellungen und Ängste. Ich bin auch in Behandlung bei einer Psychologin. Ich würde nur gerne von Ihnen wissen, ob meine Vorstellungen etwas realistisch sind und ob man sich auf diese Weise anstecken kann. Im voraus vielen herzlichen Dank für Ihre Bemühungen! Mfg

    #6960
    Dr. Leo Lust
    Moderator

    Hallo Rosanne!

    Ja, auch ich halte Ihre Angst für irreal, und ich nehme an, dass es Ihnen manchmal sehr schlecht deshalb geht. Daher finde ich es sehr gut, wenn sie bei einer Psychologin in Behandlung sind, weil viele Leute für solche großen Ängste kein Verständnis aufbringen. Zu Ihrer Situation: HIV ist nur durch deutlich erkennbare Blutmengen übertragbar, d.h. eine Nadel müsste sichtbar blutverschmiert sein, damit beim Stechen ein (geringes) Risiko gegeben wäre. Mikroskopisch kleine Blutmengen hingegen reichen für eine Infektion nicht aus. Insofern bestand in dieser Situation Null Risiko.

    Es ist für mich unschwer zu erkennen, dass Sie es mit dieser Angst sehr schwer haben und sich wahrscheinlich oft ein belastendes Gedankenkarusell bei Ihnen einstellt (das zeigt mir auch der Vorfall mit dem jungen Mann, der sie gegrüßt hat, und worauf sie ins Grübeln gekommen sind, ob er sie deshalb anstecken wollte). Wichtig ist, dass sie diese Ängste in der Psychotherapie ganz offen und ehrlich Ihrer Psychologin mitteilen. Und haben sie auch viel Geduld mit sich selbst, denn hartnäckige Ängste bekommt man zwar in den Griff, das kann aber sehr lange dauern (weil sie meist tiefenpsychologische Ursachen haben). Ich kenne aber viele Menschen, die heute dank Therapie wieder unbekümmert leben können und ihre Angst vor einer Ansteckung mit HIV in den Griff bekommen haben.

    Liebe Grüße!

    Dr. Leo Lust

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