Welt-AIDS-Tag 2019: Was bleibt zu tun?

 

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HIV und andere sexuell übertragbare Krankheiten wecken bei vielen Menschen noch immer Assoziationen des Unmoralischen, Verwerflichen und Anstößigen. In Österreich wird keinesfalls rational und vernünftig mit HIV und sexuell übertragbaren Infektionen umgegangen.
Aus diesem Grund kommt es auch immer wieder zu Diskriminierungen in den verschiedenen Lebensbereichen. An dieser Stelle möchten wir einige Beispiele bringen:
Vielen Menschen, die HIV-positiv sind, fällt es schwerer eine Partnerschaft einzugehen, da sie oft verlassen werden, wenn sie dem Partner/der Partnerin von ihrer Infektion erzählen.
Menschen, die sich mit einer sexuell übertragbaren Infektion angesteckt haben und deshalb zu einem Arzt gehen, werden vom behandelnden Arzt bloßgestellt und für ihr Sexualverhalten maßgeregelt.
In der Aidshilfe Salzburg kommt eine anonyme Email an, in der wir aufgefordert werden, HIV-positive Menschen zu outen, da diese eine Gefahr für ihre Mitmenschen darstellen würden.
Menschen werden von Ex-PartnerInnen oder Bekannten zwangsgeoutet.
HIV-positive ArbeitnehmerInnen werden rechtswidrig gekündigt oder gar fristlos entlassen.
Ein HIV-positiver Patient wird vom behandelnden Hausarzt getadelt und der Praxis verwiesen, da er ihm den HIV-Status nicht sofort mitgeteilt hat.
Eine HIV-positive Patientin, die wegen akuter Zahnschmerzen eine Zahnambulanz aufsucht, wird vom Zahnarzt umgehend der Praxis verwiesen.
Einem Mann mit einer Syphilis-Infektion wird von guten FreundInnen die Freundschaft gekündigt. Die FreundInnen sehen sich gefährdet und glauben dem Betroffenen nicht, dass Syphilis im Alltag nicht übertragen werden kann.
Einer Frau wird nach Bekanntgabe ihrer Infektion mit einer heilbaren Geschlechtskrankheit von ihren MitbewohnerInnen nahegelegt, umgehend aus der Wohngemeinschaft auszuziehen.
Ein Mitarbeiter der Aidshilfe Salzburg hat eine Lungenentzündung und wird von seinem behandelnden Arzt gefragt, ob ihn ein HIV-positiver Klient gebissen oder gekratzt habe (hierbei kann HIV nicht übertragen werden). Laut seinem Arzt sei der Mitarbeiter nämlich in seiner Arbeit in der Aidshilfe permanent einem hohen Risiko ausgesetzt und eine Lungenentzüngung sei eine AIDS-definierende Erkrankung.

Diese Beispiele führen uns vor Augen. Dass es noch viel zu tun gibt. Wir sehen die Öffentlichkeitsarbeit als ein wichtiges Medium, um in der Gesamtbevölkerung die Botschaft zu verbreiten, dass sexuell übertragbare Krankheiten im alltäglichen Zusammenleben nicht übertragen werden können.
Zudem erreichen wir in unseren Workshops mit Jugendlichen, MultiplikatorInnen, Pflegepersonal und Berufstätigen in Gesundheits- und Sozialberufen jährlich Tausende Menschen, die wir über die Übertragungswege aufklären.