Nadelstichverletzungen: Panik ist nicht angebracht

 

spritzenautomat1.jpgIn Wien hat sich letzte Woche ein sechsjähriges Mädchen an eine gebrauchten Spritze verletzt, die von einem Junkie stammen dürfte. Die Medien schlachten dieses Ereignis gerade aus und berichten hoch dramatisch von diesem Ereignis. Aus diesem Anlass möchten wir klarstellen, warum hier bezüglich HIV keine Panik angebracht ist:

1) Aufgrund gut funktionierender Spritzenaustausch-Programme wie etwa Spritzenautomaten, gibt es in Österreich kaum HIV-Neuinfektionen unter Junkies.

2) Wenn man sich subkutan an einer Nadel sticht, auf der infektiöses Blut klebt, dann ist das Risiko einer Infektion in etwa 3:1000 (d.h. von 1000 Nadelstichverletzten, die sich mit nachweislich infektiösen Nadeln gestochen haben, infizieren sich drei Menschen mit HIV). Das Risiko ist also sehr gering.

Auch in Salzburg gibt es Spritzenaustauschprogramme, etwa den Spritzenautomaten im Mirabellgarten. Spritzenautomaten versorgen Drugenkonsumenten auch nachts und an Feiertagen mit sauberen Spritzen. Seitdem es diese Austauschprogramme gibt, sind die HIV-Neuinfektionen unter Drogenkonsumenten rapide gesunken. Zuvor waren Menschen, die sich Drogen intravenös spritzen, besonders stark von HIV betroffen. Nadeln und Spritzen waren nämlich nur schwer erhältlich und wurden deshalb weitergereicht. Auf diese Weise wurde HIV leicht weitergegeben. Steriles Spritzbesteck verhindert diesen Übertragungsweg und ist ein zentraler Bestandteil von „Safer Use“.

Spritzenaustauschprogramm fördern den Drogenkonsum nicht. Eine Untersuchung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zerstreut diesen Vorbehalt. In einer Überprüfung von mehr als 200 Studien konnte die UN-Organisation feststellen, dass das verbesserte Angebot von Injektionsbesteck den Drogenkonsum nicht fördert. Auch die Motivation der abhängigen Menschen, den Drogenkonsum zu verringern, bleibt bestehen. Zudem bestätigt die Auswertung der WHO das entscheidende Argument für Spritzenautomaten: Sie reduzieren nachweislich die Verbreitung von HIV, Hepatitis B und Hepatitis C unter Drogenkonsumenten.

Spritzenautomaten schließen eine gefährliche Versorgungslücke und stellen sicher, dass sich jeder Abhängige zu jeder Tages- und Nachtzeit vor HIV und Hepatiden schützen kann.

Auch in Salzburg muss es daher weiterhin einen Spritzenautomaten geben. Ansonsten drohen höhere Zahlen an Neuinfektionen unter Drogenkonsumenten. Infektionen mit HIV kosten dem Gesundheitssystem viel Geld. Prävention ist viel kostengünstiger als die Behandlung einer HIV-Infektion.

Bildrechte: Aidshilfe Salzburg