Positionspapier der Österreichischen AIDS Gesellschaft und AIDS-Hilfen zum Umgang mit HIV im Gesundheitssystem

 

Das Thema HIV löst im medizinisch-pflegerischen Berufsalltag immer wieder Unsicherheiten und Ängste aus. Es stellen sich z.B. die Fragen, ob es spezieller Hygiene- und Schutzmaßnahmen bedarf, aber auch, wann ein Testangebot sinnvoll sein könnte. Die nachfolgenden Informationen sollen bei der Beantwortung dieser Fragen unterstützen und zu einem angstfreien und professionellen Umgang mit dem Thema HIV und mit HIV-infizierten Menschen beitragen.

 

Keine gesonderten Hygiene- und Schutzmaßnahmen erforderlich

KlientInnen der AIDS-Hilfen Österreichs berichten immer wieder von Schwierigkeiten bei der Suche nach FachärztInnen, von Berührungsängsten bei Konsultationen oder Behandlungen und von Sondermaßnahmen oder abgesonderten Ordinationsräumlichkeiten. Laut anerkanntem Stand der Wissenschaft stellen die regulär in der Praxis angewandten Hygiene- und Schutzmaßnahmen, die bei allen PatientInnen anzuwenden sind, ausreichenden Schutz auch vor einer Transmission mit HIV dar. Im Rahmen der Behandlung verwendete Utensilien stellen kein Infektionsrisiko dar, sofern sie sachgemäß desinfiziert werden. Da es sich bei der HIV-Infektion nicht um eine Schmierinfektion handelt, bieten auch Oberflächen (z.B. Sanitäranlagen, Mobiliar) keine Infektionsmöglichkeiten. Potentielle, etwa in der zahnmedizinischen Behandlung entstehende Aerosole sind für eine Transmission nicht geeignet. Eine Infektion über den für Behandlung und Versorgung notwendigen Körperkontakt ist auszuschließen.

 

Chronische Erkrankung HIV – langfristige Betreuung wird alltäglicher

Dank der medizinischen Fortschritte wird HIV mittlerweile als chronischeInfektion bewertet. Bei erfolgreicher Therapiehaben HIV positive Menschen eine nahezu durchschnittliche Lebenserwartung bei guter Lebensqualität. Für MitarbeiterInnen im Gesundheitssystem wird so die langfristige Betreuung HIV-positiver PatientInnen in sämtlichen medizinischen und pflegenden Bereichen immer alltäglicher.

Hierbei ist die freiwillige Bekanntgabe des HIV-Status von Seiten der PatientInnen wünschenswert, da sich die medizinische Betreuung HIV-positiver Menschen umfassend und vielschichtig darstellt. Die Motivation zur Bekanntgabe des HIV-Status gegenüber MitarbeiterInnen des Gesundheitssystems wird dabei maßgeblich durch einen wertschätzenden und diskriminierungsfreien Umgang gefördert. Zusätzlich fördert der Abbau von HIV-bezogener Stigmatisierung die Bereitschaft von PatientInnen, einen HIV-Test zu machen.

 

Medizinisches Personal als Schlüssel für frühzeitige Diagnose

In Österreich erhalten viele Betroffene erst lange Zeit nach der Infektion die Diagnose HIV, in manchen Fällen weil HIV-Symptome nicht richtig diagnostiziert werden. Das Erkennen von HIV-Indikatorerkrankungen, die methodologisch korrekte Testung bei Symptomen einer akuten HIV- Infektion und vor allem das risiko-orientierte Screening sichern einen rechtzeitigen Behandlungsbeginn. Medizinisches Fachpersonal trägt maßgeblich dazu bei.

 

Fazit

Um einen professionellen Umgang mit HIV-positiven PatientInnen im Gesundheitssystem sicherzustellen, ist folglich festzuhalten, dass es keiner gesonderten Termine oder anderer Hygiene- und Schutzmaßnahmen bedarf, wie für alle anderen PatientInnen auch.  rundsätzlich könnte jedeR PatientIn unwissend eine Infektion haben, wodurch die Vorgehensweise für alle PatientInnen gleich sein sollte.

JedeR MitarbeiterIn im Gesundheitssystem kann durch einen fachlich-kompetenten Umgang im Berufsalltag zum Abbau von Stigmatisierung beitragen. Dies erhöht längerfristig die allgemeine Testbereitschaft, die Anzahl an Frühdiagnosen und die Lebensqualität HIV-positiver Menschen.