Mütter und Kinder vernachlässigt

Anlässlich des Weltgesundheitstages am 7. April 2011 machten etliche Organisationen auf die gravierenden Folgen einer fehlenden medizinischen Versorgung für HIV-positive Menschen aufmerksam. Die Kindernothilfe beispielsweise kritisierte die katastrophalen Zustände für Mütter und Kinder.
Jeden Tag wird weltweit das Virus an über 1000 Kinder übertragen, fast ausschließlich über ihre erkrankten Mütter. Circa zwei Drittel aller Betroffenen schwangeren Frauen in Afrika haben keinen Zugang zu angemessenen Tests und Medikamenten, welche eine Übertragung auf ihre Kinder verhindern könnten. Auch in Afrika wäre es ohne größeren Aufwand möglich, mittelfristig die Übertragungsrate auf rund zwei Prozent zu reduzieren, wenn alle betroffenen Frauen wie in Österreich Zugang zur antiretroviralen Therapie hätten.
Die weltweiten Sparprogramme bedrohen jetzt die zuletzt erkennbaren Fortschritte bei der Vermeidung der Mutter-Kind-Übertragung. „Kinder aus von Armut und Aids betroffenen Familien haben keine Lobby“, kritisiert Luzia Wibiral, Geschäftsführerin der Kindernothilfe Österreich, die kurzsichtige Geberpolitik. „Nur so ist es zu erklären, dass der Chance, viele tausend Kinderleben mit einer rechtzeitigen HIV-Behandlung von werdenden Müttern zu retten, so geringe Aufmerksamkeit geschenkt wird. Damit könnte gleichzeitig mehr Kindern eine Mutter erhalten bleiben und eine wachsende Zahl von Aidswaisen verhindert werden“, so Wibiral.
Vorwiegend aus humanitären Gründen, aber auch aus der Verantwortung für eine zukunftsorientierte Entwicklungszusammenarbeit sind mehr staatliche Mittel für werdende Mütter dringend nötig, um einen befriedigenden Zugang zu einer angemessenen Gesundheitsvorsorge und HIV-Therapie sicherzustellen. Ohne ausreichendes finanzielles Engagement zum gegenwärtigen Zeitpunkt sind vor allem in Afrika einfache aber wirkungsvolle Maßnahmen zur Vermeidung der Mutter-Kind-Übertragung gefährdet. Wenn diese Chance nicht genützt wird, werden später sowohl die Zahl der von HIV und Aids betroffenen Kinder als auch die entstehenden Kosten dramatisch steigen.