Ansteckungszeitpunkt lässt sich besser abschätzen

Wissenschafter, Ärzte und Forscher der Schweizer HIV-Kohortenstudie haben eine einfache und relativ genaue Methode entwickelt, mit der man abschätzen kann, wann sich ein Mensch mit HIV infiziert hat. Anhand der genetischen Vielfalt der HI-Viren im Blut können diese Berechnungen durchgeführt werden, was in der Behandlung enorme Vorteile bringt und darüberhinaus dazu beträgt, den Verlauf der AIDS-Epidemie besser zu verstehen.
Bisher konnten Ärzte den Ansteckungszeitpunkt nur bis etwa acht Wochen nach der Infektion genau ermitteln. Ließe sich jemand erst später auf das Virus testen, könne nicht eruiert werden, ob sich die Person vor Monaten oder aber vor Jahren angesteckt hatte. Das Wissen um den Zeitpunkt der Ansteckung ist für die Behandlung aber wichtig: Es lässt sich einfacher abschätzen, wie rasch die Krankheit fortschreitet und wann mit der Behandlung begonnen werden sollte.
Forscher nutzten Daten aus Resistenztests, die bei HIV positiven PatientInnen in regelmäßigen Abständen durchgeführt werden. Beim Test wird das Erbgut der Viren untersucht, um herauszufinden, gegen welche Medikamente sie Resistenzen aufweisen. Trägt ein/e Patient/in mehrere Virenstämme in sich, ist das Ergebnis an einigen Positionen des Erbguts nicht eindeutig. „Lange Zeit habe diese Unschärfe als Abfallprodukt des Tests gegolten“, sagte Huldrych Günthard vom Universitätsspital Zürich in einer Aussendung. Die Forscher hätten sich dann aber gefragt, ob die Unschärfe Angaben zur Vielfalt der Viren im Blut liefern könnte. Die genetische Vielfalt der Viren entsteht, während diese sich im Körper der Betroffenen vermehren und entwickeln. Da die Vielfalt im Lauf der Zeit zunimmt, könnte sie Informationen liefern zur Dauer der Infektion. In der in der Fachzeitschrift «Clinical Infectious Diseases» veröffentlichten Studie legen die Forscher dar, dass der Anteil der uneindeutigen Stellen in den Erbgut-Sequenzen der Viren bis etwa acht Jahre nach der Ansteckung gleichmäßig ansteigt. Danach wird die Kurve flacher. Genau lässt sich der Infektionszeitpunkt mit der neuen Methode zwar nicht berechnen, doch es ist laut der Mitteilung gelungen, einen Schwellenwert zu bestimmen, von dem an die Ansteckung mit 99 %iger Sicherheit mehr als ein Jahr zurückliegt.