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Welt-AIDS-Tag: Gedanken zum Umgang mit HIV

leicagirl / photocase.com Photo: zettberlin / photocase.com

In Berlin ging anlässlich des Welt-AIDS-Tages am 1. Dezember das Audio-Projekt „Stimmen in der Stadt“ an den Start. Es handelt sich dabei um Audio-Aufzeichnungen von HIV-positiven Betroffenen, die von ihrem Leben mit HIV erzählen. Gespielt werden diese Tondokumente an 15 Hörstationen auf Straßen und Plätzen in Berlin.
Das Projekt wurde vom HIV-Arzt Christoph Weber gestaltet, der seine Patienten interviewte (www.stimmen-in-der-stadt.de/). Weber kritisiert, dass über HIV viel zu wenig gesprochen werde. Es gibt die groteske Situation, dass zwar der medizinische Fortschritt in der Behandlung des Immunschwächevirus sehr weit fortgeschritten ist, dass die Gesellschaft aber im Umgang mit der Krankheit immer noch im Jahr 1992 steht. Nach wie vor haben viele Angst, HIV-Positive überhaupt anzufassen, und der Umgang ist alles andere als offen. Betroffene sprechen nur selten über ihre Krankheit, und diejenigen, welche ihr Schweigen brechen, werden häufig sozial oder beruflich ausgegrenzt, weil die Gesellschaft ihnen keine Leistungen mehr zutraut.

Für uns im kleinen Salzburg ist es erschütternd, zu sehen, dass es auch in einer Großstadt, die so einen weltoffenen Ruf hat, nicht viel anders läuft als hierzulande. Generell könnte in ganz Österreich der Umgang mit HIV-positiven Menschen diskriminierender und ignoranter nicht sein: Die Betroffenen werden meist beim Bekanntwerden des positiven HIV-Status umgehend durch ihren Arbeitgeber gekündigt, manche sogar von öffentlichen Einrichtungen oder Ämtern geoutet (Verletzung der Verschwiegenheitspflicht!) oder von Ärzten in der Praxis erst am Ende der Ordinationszeiten behandelt. Diese Diskriminierungen geschehen oft aus Unwissenheit, was natürlich keine Entschuldigung sein kann; denn es drängt sich immer wieder der Verdacht auf, dass viele von HIV und dessen Übertragungswegen gar nicht mehr wissen wollen.
Der Umgang mit HIV ist dabei höchst widersprüchlich. Einerseits verwenden sehr viele Menschen beim Sex mit Partnern, die sie nicht gut kennen und von deren Gesundheitsstatus sie rein gar nichts wissen, kein Kondom, andererseits hat man aber Angst, HIV-Positiven die Hand zu reichen oder vom selben Glas mit ihnen zu trinken.
Eine Gesellschaft lässt sich wahrlich daran messen, wie sie mit den Schwächsten umgeht. Wenn wir diesen Maßstab anlegen, können wir Österreich, in dem z.B. asylsuchende Betroffene in ihre Heimatländer abgeschoben werden, in denen es keine ausreichende Therapie gegen HIV gibt (was einem Todesurteil gleichkommt) und auch unserem Nachbarland Deutschland nur die schlechteste Note ausstellen.