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Der Vatikan und HIV

leicagirl / photocase.com Photo: J.B._Photography / photocase.de

Dieser Tage sorgt der Vatikan für Schlagzeilen, nämlich weil er sich nun offiziell für den Kampf gegen HIV einzusetzen gedenkt. Wenn auch es in der Jesus-Nachfolge selbstverständlich sein sollte, sich für Ausgegrenzte und Marginalisierte stark zu machen und mit bedingungsloser Akzeptation (in den Worten der Bibel: mit „Gnade“) anderen zu helfen, hat es bedauerlicherweise recht lange gedauert, bis sich die katholische Amtskirche zu einem öffentlichen Statement zu HIV, HIV-positiven Betroffenen und HIV-Prävention durchringen konnte. Damit nun kein Missverständnis entsteht: An der Basis setzen sich zahlreiche Katholiken bereits seit 30 Jahren für Betroffene und den Kampf gegen HIV/AIDS ein. Doch je weiter man in der Kirche nach oben steigt, desto stärker leiden Bischöfe, Kardinäle und schließlich der Mann, der sich von den Italienern „Papa“ nennen lässt (Freud hätte mit diesem Musterbeispiel an väterlicher Übertragung seine Freud‘) an permanenter Amnesie bezüglich der ursprünglich heilsbringende Frohbotschaft; und so wurde in den vergangenen Jahrzehnten die HIV-Prävention gerade in den ärmsten Ländern der Welt immer wieder von Seiten des Vatikans sabotiert, indem z.B. Enthaltsamkeit als der beste Schutz vor HIV propagiert wurde etc. – alles ideologische Auswüchse einer körperfeindlichen, pathologischen Sexualmmoral (siehe auch hier: http://www.aidshilfe-salzburg.at/inhalt/schwalbe-macht-noch-keinen-somme...).
Selbstverständlich begrüßen wir es als AIDS-Hilfe, dass nun von ganz oben der Einsatz gegen HIV/AIDS und gegen Vorurteile gegenüber mit HIV-Infizierten „abgesegnet“ wurde, stellen uns aber schon die Frage, wie man es zusammenbringt, einerseits gegen Diskriminierungen HIV-Positiver vorgehen zu wollen, andererseits jedoch weiterhin eine menschenverachtende Homophobie an den Tag zu legen (immerhin sehen sich zahlreiche Betroffene, die HIV und schwul sind, einer doppelten Diskriminierung ausgesetzt).
Auch das Statement, man setze auf einen „moralisch gefestigten Umgang mit Sexualität“ lässt nichts Gutes hoffen, denn wer kann sich schon anmaßen, für andere Menschen zu wissen, was ein „moralisch gefestigter Umgang“ mit der EIGENEN Sexualität sei. Diese Aussage entmündigt freie, erwachsene Menschen und ist geradezu symptomatisch für an Sexualneurosen leidende Kleriker. Zudem setzt sie die Moral absolut, als ob der Mensch für Moral und Gesetz da sei und nicht umgekehrt (wie es z.B. Jesus in Mt 12,1-13 fordert und selbst umsetzt). Moral ist keine absolute Größe, sondern etwas vom Menschen Gemachtes, und gehört ständig hinterfragt und reflektiert, wird dies nicht getan, entstehen die grausamsten, sadistischsten Verbrechen im Namen der Moral, wie es uns die Geschichte an zahlreichen Beispielen lehrt.
Dennoch bleibt zu hoffen, dass die Zusammenarbeit künftig besser funktionieren wird und Kleriker, die gegen Kondome predigen oder diese nur innerhalb der Ehe „gestatten“, vehement gemaßregelt werden.