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Russland und die Homophobie - Teil 2

Die homophobe Gesetzeslage geht konform mit der Einstellung der Bevölkerung gegenüber Homosexualität und Transsexualität, wobei hier vor dem Hintergrund der volksverhetzenden medialen Berichterstattungen die Frage, ob zuerst die Henne oder das Ei war, zu bedenken ist.

Immerhin geben 38 Prozent der in einer 2010 durchgeführten Meinungsumfrage befragten Russen an, dass sie Homosexualität für moralisch verwerflich halten. 36 Prozent sehen in ihr eine psychische Erkrankung und nur 15 Prozent stehen dazu, dass Homosexualität eine alternative Form der menschlichen Sexualität sei.

Zwar existieren in Russland Gruppierungen von LGBTs, die sich für ihre Rechte einsetzen, doch werden diese aufgrund der kriminalisierenden Gesetzeslage nicht anerkannt.

Das Verbot der „homosexuellen Propaganda“ weckt Widerstand bei den Aktivistinnen und Aktivisten der LGBT-Bewegungen.

Bei den in den letzten Jahren stattfindenden Demonstrationen und Protesten werden LGBTs immer wieder von den Befürwortern/Befürworterinnen der Gesetzeslage angegriffen. Anstelle der Gewalttäter/Gewalttäterinnen werden in der Regel die Opfer homophober Gewalt festgenommen und dabei meist nicht zureichend geschützt: So werden die in den Polizeibussen hilflos festgehaltenen Demonstranten/Demonstrantinnen von homophoben Tätern, welche die Fensterscheiben einschlagen, aus den Einsatzfahrzeugen gezerrt und schwer verletzt.

Aufgrund der staatlichen Volksverhetzung wundert es nicht, dass es bereits zu Morden an Homosexuellen gekommen ist, welche die homophobe Staatsgewalt indirekt zu verantworten hat. So wurde Ende Mai 2013 ein stellvertretender Flughafendirektor in Russland ermordet, seine Leiche wurde verbrannt. In den sozialen Netzwerken gründen sich Gruppen, welche gezielt Jagd auf LGBTs machen. Schwule und lesbische Jugendliche (meist noch Teenager) werden vor laufender Kamera gefoltert, die Filme sodann auf You Tube veröffentlicht. Einer der in den Filmen gefolterten jungen Männer soll Anfang August an den Folgen seiner schweren Verletzungen gestorben sein. Bei den Tätern handelt es sich um Angehörige einer russischen Neo-Nazi Gruppe; sie sind bekannt, wurden aber weder verhaftet noch verfolgt.

Diese Haltung der russischen Behörden ist Usus: Die Täter/Täterinnen werden unterstützt, die Polizei sieht den Gewalttaten grinsend zu und verhaftet sodann die verletzten Opfer.