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NGO's nutzen Welt-AIDS-Kongress als kritische Plattform

Kommerzielle Interessen und mangelnder politischer Wille behindern Hilfsorganisationen zufolge nach wie vor den Kampf gegen HIV/AIDS. So seien neuere HIV-Medikamente bis zu 15-mal teurer als früher entwickelte und damit unbezahlbar für viele Länder und Menschen. Das sagte Nathan Ford von Ärzte ohne Grenzen bei der Welt-AIDS-Konferenz in Washington.
Früher entwickelte Präparate seien inzwischen zwar deutlich günstiger geworden, aber viele Menschen weltweit bräuchten aufgrund von Resistenzen, besseren Verträglichkeiten oder besseren Therapie-Ergebnissen die neuen Medikamente. Ursache für die hohen Preise seien vor allem kommerzielle Interessen der Pharma-Konzerne. Die Konzerne verhandelten inzwischen individuell mit den einzelnen Ländern. "Die Pharma-Unternehmen machen das, weil sie es jetzt machen können, sie haben die Patente auf die neueren Medikamente", sagte Michelle Childs von Ärzte ohne Grenzen. "Da gibt es einen Interessenskonflikt von medizinischen und kommerziellen Interessen."
Mehrere Hilfsorganisationen kritisierten außerdem, dass Drogensüchtige und SexarbeiterInnen diskriminiert und nicht ausreichend in den Kampf gegen AIDS eingebunden werden. Jede dritte HIV-Infektion, die nicht in Afrika südlich der Sahara geschieht, hänge mit unsauberen Drogennadeln zusammen, teilte die Hilfsorganisation Internationale Überlebenshilfe mit.

"In den vergangenen zwei Jahren haben viele Länder, die mit die größten Raten von HIV-Infektionen unter Drogensüchtigen haben, ihre Hilfsangebote sogar noch heruntergefahren", kritisierte der Direktor der Organisation, Rick Lines. Die von den Vereinten Nationen eingesetzte "Weltkommission für HIV und das Recht" rief zu einer weltweiten Legalisierung von Prostitution auf.
Unterdessen zeichnete die norwegische Kronprinzessin Mette-Marit AIDS-Aktivisten aus aller Welt für ihr Engagement im Kampf gegen die HIV-Epidemie aus. "Wir ehren heute diejenigen, die es am meisten verdienen, geehrt zu werden", sagte die 38-Jährige bei der Verleihung des "Red Ribbon Awards" während der Konferenz. "Wir ehren diejenigen, die unsere Welt besser machen." Die Preise gingen an Vertreter von HIV-Hilfsorganisationen unter anderem aus dem Iran, Mexiko, Uganda, Ägypten, Russland, Indien und Kenia. Mette-Marit setzt sich seit Jahren für den Kampf gegen AIDS ein.