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Neues zur HIV-Prä-Expositions-Prophylaxe (PrEP) Teil 2

Die Zielgruppe der PrEP sind HIV-negative Menschen, die ein hohes sexuelles Risikoverhalten aufweisen – hier vor allem Männer, die Sex mit Männern haben (MSM) und Transmenschen, die in den vergangenen sechs Monaten mit mehr als zwei Sexualpartnern ungeschützten Analverkehr praktiziert haben und dieses Risikoverhalten voraussichtlich beibehalten. Innerhalb aller MSM ist der prozentuale Anteil an HIV-infizierten Persönen nämlich höher als dies unter heterosexuellen Menschen der Fall ist. Weitere Zielgruppen der PrEP sind HIV-negative Personen, mit aufnehmendem/eindringendem ungeschützten Sexualverhalten, bei denen in den vergangenen zwölf Monaten mindestens einer sexuell übertragbare Infektion neu diagnostiziert wurde und HIV-negative Menschen, die mit HIV-positiven Personen ohne erfolgreiche HIV-Therapie eindringenden/aufnehmenden Sex praktizieren.

Ob Menschen weiterhin ein erhöhtes Risiko eingehen, soll bei den regelmäßigen Kontrolluntersuchungen erfragt werden. Wenn die AnwenderInnen der PrEP kein erhöhtes Risikoverhalten mehr wahrnehmen, soll die PrEP zunächst nicht mehr verschrieben werden.

Es gibt bis jetzt folgende Möglichkeiten, im an die PreEP zu kommen:

1.    Truvada kann von Ärzten als Privatrezept (für ca. 800 Euro im Monat) verschrieben werden.

2.    Truvada wird auf dem Schwarzmarkt als PrEP verkauft bzw. weiter gegeben

3.    Truvada wird schon seit längerer Zeit im verkauft oder auf Auslandsreisen preisgünstiger erworben und privat eingeführt.

Angesichts der hohen Kosten wird die PrEP in den nächsten Jahren noch keine hohe Relevanz in der HIV-Prävention erlangen. Der Patentschutz läuft jedoch 2017 ab und damit dürften die Kosten für die PrEP sinken.

Die oben beschriebene PrEP ist systemisch und wirkt im ganzen Körper und damit in allen Schleimhäuten. Sie weist einen sehr hohen Schutzeffekt vor HIV auf und macht eine Infektion bei täglicher Einnahme sehr unwahrscheinlich.

Ein Risiko ist aber auf alle Fälle dann gegeben, wenn die PrEP nicht regelmäßig oder nur kurz vor einem ungeschützten Sexualkontakt oder danach eingenommen wird. In der MSM-Szene wird die PrEP oft illegal vor ungeschützten Sexualkontakten verkauft oder weitergegeben, wobei hier zwar ein gewisser Schutz gegeben ist („besser eine PrEP als ein ungeschützter Sexualkontakt ohne PrEP“), es aber dann doch immer wieder zu HIV-Infektionen kommt. Ein Problem bei dieser unkontrollierten Einnahme besteht auch darin, dass sich die Konsumenten meist nicht regelmäßig ärztlich untersuchen lassen; verbunden mit Alkohol- und Drogenkonsum kann es hier zu schweren Leber- oder Nierenschäden kommen, welche dann lange unentdeckt bleiben. Wer z.B. bereits an einer Nieren-/ oder Lebererkrankung leidet, sollte unbedingt auf die PrEP verzichten.

Anders verhält es sich bei der lokalen PrEP. Diese gibt es bis jetzt noch nicht, doch wird hier emsig geforscht. In der Entwicklung befinden sich Vaginal-Gels, Rektal-Gels, schnelllösliche Scheidentabletten und Vaginalringe, die ein antiretrovirales

Medikament (z. B. Tenofovir oder Dapivirin) enthalten. Der Dapivirin-Vaginalring erreicht in Studien jedoch lediglich einen Schutzeffekt von 30 Prozent.

 

Bild: Caspar David Friedrich