Sie sind hier

Neues zur HIV-Prä-Expositions-Prophylaxe (PrEP) Teil 1

Photo: herzschlag / photocase.de

Menschen mit hohem Risiko einer HIV-Infektion können künftig auch in der Europäischen Union das Prophylaxe-Medikament Truvada bekommen. Dies habe die EU-Kommission unter Auflagen gebilligt, bestätigte ein Sprecher in Brüssel. Noch ist unklar, wann das Medikament als Prophylaxe erhältlich sein wird.
PrEP ist eigentlich das gleiche wie ART (Anti Retrovirale Therapie) bzw. HAART (Hoch Aktive Anti Retrovirale Therapie). Es sind die gleichen Tabletten, die HIV-positive Menschen zur Behandlung ihrer HIV-Infektion schlucken. Die gesamte Idee zu PrEP kommt ja aus den Erfahrungen mit der Behandlung von HIV-Positiven. Man weiß bereits seit mehr als 20 Jahren, dass durch die regelmäßige Einnahme dieser Medikamente die Anzahl der Viren im Körper der infizierten Person gesenkt und so die Zerstörung des Immunsystems verlangsamt bzw. gestoppt wird. Nun zeigten Studien in den letzten Jahren, dass HIV-positive Menschen unter erfolgreicher Therapie auch kaum infektiös sind, das Virus also kaum weitergeben. Sofern ihre Viruslast unter der Nachweisgrenze liegt, gilt mittlerweile als unumstritten, dass die Übertragung von HIV auf sexuellem Wege nicht bzw. nur mit minimaler Wahrscheinlichkeit erfolgt.


Damit ziehen die antiretroviralen Medikamente mit dem Kondom als Schutz vor einer HIV-Infektion gleich. Falls ich als HIV-positive Person die Tabletten konsequent und regelmäßig schlucke, kann ich andere schützen.  An dieser Stelle muss natürlich darauf hingewiesen werden, das Truvada zwar vor HIV schützt, nicht aber vor anderen sexuell übertragbaren Erkrankungen. Das Kondom ist und bleibt also der beste Schutz.
Expertinnen sehen die PrEP als weiteren Vorsorge-Baustein insbesondere bei Männern, die Sex mit häufig wechselnden Partnern haben, dabei aber nicht konsequent Kondome benutzen können oder wollen. "Es wird in dieser Gruppe häufig ChemSex praktiziert, also Sex unter synthetischen Drogen. An Kondome zu denken, kann dann schwierig sein", sagt die Medizinerin Annette Haberl vom HIV-Center des Frankfurter Uniklinikums. Die Zielgruppe für eine PrEP sei aber insgesamt klein. "Wir erwarten keinen Run auf Truvada." Das verschreibungspflichtige Medikament muss täglich eingenommen werden, ist aber nur dann sinnvoll, wenn Menschen immer wieder hohe sexuelle Risiken eingehen. Wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass das Medikament das Ansteckungsrisiko um 86 Prozent senkt. Eine völlige Entwarnung hinsichtlich des HIV-Infektionsrisikos gibt es allerdings nicht.


Das hat wohl auch damit zu tun, dass noch nicht klar ist, wer die Kosten – immerhin 800 Euro im Monat – zu tragen hat. So wie es jetzt aussieht, werden die Interessenten der PrEP selbst zur Kasse gebeten. Deshalb forderte die Deutsche Aids-Hilfe den Hersteller Gilead bereits zu einer Preissenkung auf, um das Mittel der Risikogruppe auch zugänglich zu machen.

Wichtig ist zudem, dass die PrEP nicht nur aus Medikamenten besteht, sondern auch eine Gesamtstrategie zur Prävention einer HIV-Infektion darstellt. Medizinische Diagnostik und Therapie, Beratung, Aufklärung über Risikoverhalten und Safer SEX, weitere Präventionsmaßnahmen sowie ein Angebot zur Untersuchung auf weitere sexuell übertragbare Infektionen gehören dazu. Auch muss immer im Einzelfall genau geklärt werden, ob die PrEP überhaupt sinnvoll ist. Des Weiteren ist ein kontinuierliches Monitoring während der PrEP unabdingbar, die PrEP kann nämlich zu Nierenversagen und Leberschäden führen.