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Neue Studie aus Amsterdam zur PrEP: Hohe Infektionsraten mit Hepatitis C unter den Teilnehmern.

An der AmPrEP-Studie zur HIV-Prä-Expositions-Prophylaxe (PrEP) nahmen 376 schwule Männer und trans* Frauen teil. Bei diesen HIV-negativen Männern, die Sex mit Männern haben (MSM), treten außergewöhnlich hohen Infektionsraten mit Hepatitis C auf.


Bei der Eingangsuntersuchung wurden bei 4,8 % der MSM (14 Teilnehmer) eine akute oder ausgeheilte Hepatitis-C-Infektion (HCV) festgestellt. In Studien der Amsterdamer STI-Klinik hingegen lag die durchschnittliche HCV-Prävalenz bei HIV-negativen Männern, die Sex mit Männern haben, nur bei 0,3 bis 1,2 %.
Zwei Drittel der HCV-infizierten Teilnehmer wussten bis zur Studie nicht um ihre Infektion. Die HCV-positiven MSM sind im Durchschnitt jünger, hatten in der Vergangenheit häufigere Partnerwechsel, sind häufiger Chemsex-User und konsumieren häufiger Drogen intravenös. Des Weiteren sind sie bereits öfters mit anderen STIs infiziert gewesen.
Auch im weiteren Verlauf der Studie fand eine höhere Zahl von Hepatitis-C-Neuinfektionen bei den MSM statt. Von den schwulen Männern, die keine PrEP nehmen, infizieren sich pro Jahr durchschnittlich 0,15 % mit einer Hepatitis C. Bei den PrEP-Usern der Amsterdamer Studie waren es hingegen etwa 1%.
Das sexuelle Übertragungsrisiko gilt bei Hepatitis C als gering. Seit der Jahrtausendwende aber kommt es vermehrt zu Infektionen bei HIV-positiven Männern, die Sex mit Männern haben. Armin Schafberger, Medizinreferent der Deutschen AIDS-Hilfe, gibt zu bedenken  „Wenn andere PrEP-Kohorten diese Beobachtung bestätigen, scheint die Hepatitis C auch bei HIV-negativen MSM ein Präventionsthema zu sein – zumindest bei denjenigen, die eine HIV-PrEP einnehmen.“
Nun müssen noch weitere Faktoren ausgemacht werden, die hinter der Entwicklung in der Amsterdamer Studie stecken. So können etwa bei den PrEP-Nutzern Faktoren wie Drogengebrauch (etwa Chemsex) und häufiger vorkommende Geschlechtskrankheiten das HCV-Risiko erhöhen. Auch ist zu klären, ob die Übertragung von Hepatitis C durch Analverkehr eine größere Rolle spielt, als man bisher annahm. Sollte sich diese Annahme bestätigen, so wären die PrEP-Nutzer epidemiologisch betrachtet eine Brückenpopulation zwischen HIV-positiven MSM (bei denen die HIV-Prävalenz höher ist) und HIV-negativen MSM.
Bisher schenkte man in PREP-Studien und in der medizinischen Betreuung der bisherigen PrEP-Nutzer der Hepatitis C kaum Aufmerksamkeit. Die bisherigen PrEP-Leitlinien sehen zwar einen Hepatitis-B-Test, HIV und STI-Tests vor, nicht jedoch einen Hepatitis-C-Test. Dies muss sich in Zukunft ändern, da die frühzeitige Hepatitis-C-Behandlung die Neuinfektionen eindämmen würden. Allerdings ist die neue Behandlung der HCV sehr teuer und könnte sich daher als Präventionsmaßnahme nur langsam durchsetzen.