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Hürden für HIV-Hilfe

Besondere Hürden beim Thema HIV und Aids
 

Benachteiligungen bei der gesundheitlichen Versorgung treffen Menschen mit schweren Erkrankungen und speziell einer HIV-Infektion besonders hart. Trotzdem sind Hilfeangebote für Migrantinnen und Migranten mit HIV/Aids noch selten. Zwar stehen traditionelle Beratungsstellen wie die Aidshilfen und andere ebenso für diese Zielgruppe offen, doch es gelingt ihnen nicht immer, mit ihrem Angebot auch betroffene Menschen mit Migrationshintergrund zu erreichen.
Dies liegt unter anderem an den beschriebenen Barrieren für Gesundheit. Aber beim Thema HIV/Aids kommen auch ganz spezifische Faktoren hinzu:
Gerade bei diesem Thema spielen Tabus und Diskriminierung eine zusätzliche Rolle. So zum Beispiel die Angst, bei der Entdeckung aus Österreich ausgewiesen zu werden. Oder doppelt diskriminiert zu werden: als „Ausländer“ und als HIV-Positiver. Und manche Frauen müssen eine dreifache Diskriminierung befürchten: als „Ausländerin“, HIV-Positive und Frau. Dass diese Sorge größer ist bei Menschen, die zum Beispiel wegen einer dunklen Haufarbe noch eher als (vermeintliche) Fremde auffallen, versteht sich von selbst.

So möchten viele Betroffene unbedingt sicherstellen, dass niemand von ihrer HIV-Infektion erfährt. Dies gilt oft auch besonders für die eigene „Community“ (Gemeinschaft der jeweiligen Migrantengruppe), denn wer dort ausgegrenzt wird, fällt aus allen lebenswichtigen sozialen Zusammenhängen heraus in die Isolation.

In ihrer Sorge um unbedingte Diskretion nehmen viele Migrantinnen und Migranten Gesundheitsdienste und Beratungseinrichtungen als bedrohlich wahr. Darüber hinaus haftet manchen Beratungsstellen wie den AIDS-Hilfen noch ein weiteres Tabu an: die Homosexualität. Sie werden dann als "Schwuleneinrichtung" wahrgenommen, wodurch für Menschen, in deren Kultur oder Heimatland Homosexualität tabuisiert ist, die Hemmschwelle zu Beratungen weiter steigt. Ähnliche Schwellen bestehen gegenüber Beratungsstellen zum Thema Drogen, wenn bei Beratungsbedürftigen Drogengebrauch tabuisiert ist.

Damit Beratung und Behandlung besser in Anspruch genommen werden, müssen daher neue Wege beschritten werden. Es müssen Aufklärungsstrategien entwickelt werden, die kulturelle Besonderheiten und Migrationserfahrungen berücksichtigen. Dazu ist eine Beteiligung der Zielgruppe bzw. ihrer Vertreter unerlässlich. Zur Kooperation eignen sich neben Fachkräften mit Migrationshintergrund auch Initiativen, in denen sich Migrantinnen und Migranten engagieren. Zum Beispiel finden mit Unterstützung der österreichischen AIDS-Hilfen Treffen von HIV-positiven afrikanischen Migrantinnen und Migranten statt. Ebenso haben sich Multiplikatorinnen und Multiplikatoren zu einem Netzwerk zusammengeschlossen. Diese Schritte sind besonders wichtig, da die direkte Ansprache von Mensch zu Mensch (Personalkommunikation) ein wesentliches Element der Prävention ist.
Die Aidshilfen bieten verschiedene Materialien an, um diese personale Kommunikation zu unterstützen.