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Die Grenzen des guten Geschmacks. Eine Kritik der Aids-Kampagne „AIDS ist ein Massenmörder“

Die vom Verein Regenbogen jüngst gestartete AIDS-Kampagne mit Adolf Hitler, Josef Stalin und Saddam Hussein sorgt für Unverständnis und aus der Sicht der Aidshilfe Salzburg für berechtigte Aufregung. Internationale Aidshilfen haben sich mit aller Vehemenz distanziert und die sofortige Einstellung der Kampagne gefordert. Youtube hat bereits reagiert und den Clip schnell wieder entfernt.
Dass diese Kampagne weit übers Ziel hinausschießt, und darüber hinaus den Kampf gegen HIV/AIDS sowie jedwede effektive Präventionsarbeit als Antwort auf die Krankheit erschwert, ist an einigen Punkten klar festzumachen: Der Spot stigmatisiert Menschen, die den HI-Virus tragen in einer unerträglichen Art und Weise, da Betroffene, die ohnehin mit Diskriminierung in ihrem täglichen Leben zu kämpfen haben, mit historischen Massenmördern gleichgesetzt werden. Praktische Informationen, wie man sich schützen kann, sind faktisch nicht vorhanden. Des Weiteren negiert die Kampagne die Tatsache, dass in Europa hervorragende Behandlungsmöglichkeiten existieren und AIDS keineswegs automatisch ein Todesurteil bedeute.
Abgesehen davon, dass der kurze Film weder kreativ noch innovativ ist, sondern nur von einer abgeschmackten Schockwirkung lebt, ist er dramaturgisch schlecht inszeniert, verfehlt die Zielgruppe komplett und verhöhnt obendrein die Opfer des Nationalsozialismus. Die transportierte Botschaft kann man höchstens als subtil bezeichnen. Einzig und allein der Wille für die gute Sache kann als positiv bewertet werden; der Rest ist eine Anhäufung von Peinlichkeiten und Ungenauigkeiten.
Das Niveau der gesamten Kampagne, die Ideenlosigkeit und Geschmacklosigkeit der Macher entblößt sich schlussendlich, wenn man den geplanten Radio-Spot hört, der die berühmte Goebbels-Rede im Berliner Sportpalast von 1943 („Wollt ihr den totalen Krieg“) zitiert. Es hat den Anschein, dass kreative Köpfe, die nicht mehr weiter wissen, reflexartig auf den Nationalsozialismus zurückgreifen, um ihre Botschaften vermitteln zu können.
Gut in Szene gesetzte Kampagnen mit Schockwirkung haben in der Vergangenheit immer wieder hervorragend funktioniert, was etliche Beispiele belegen. In diesem Fall ging der Schuss zweifelsohne nach hinten los, da sich kein Mensch mit Verstand von einer derart widerlichen Anbiederung und zur Schau getragene Einfallslosigkeit beeindrucken lässt.