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Falsche Drogenpolitik verschlimmert AIDS-Epidemie

leicagirl / photocase.com Photo: eigentor / photocase.de

Die Inhaftierung von Drogenkonsumenten treibt international die HIV/AIDS-Epidemie an und fördert die Verbreitung von Hepatitis und Tuberkulose. Das zeigt eine Serie von Studien hervor, welche der "Lancet" zur bevorstehenden  21. Internationalen AIDS-Konferenz in Durban in Südafrika (18. bis 22. Juli 2016) publiziert. Das wichtigste Gegenmittel wäre die Gewährleistung einer Opiat-Substitutionstherapie.

"Der 'Krieg gegen die Drogen', die Masseninhaftierung von Suchtgiftkonsumenten und das Versagen bei der Gewährleistung von in ihren Effekten wissenschaftlich belegten Maßnahmen zur Schadensverminderung haben zu hohen HIV-, Tuberkulose- und Hepatitis B- und Hepatitis C-Infektionsraten bei Gefangenen geführt, die viel höher als in der übrigen Bevölkerung liegen", schrieb die weltweit angesehene Medizin-Fachzeitschrift. Mit weltweit 30 Millionen Menschen, die jährlich weltweit in oder aus Haftanstalten kommen, stelle diese Gruppe von Menschen den Schlüssel zur Kontrolle von HIV/AIDS und Tuberkulose dar.

Chris Beyrer, Präsident der Internationalen Aids Society, sagte: "Gefängnisse können wie Inkubatoren für Tuberkulose, Hepatitis C und HIV wirken, die große Mobilität zwischen den Gefängnissen und der Gesellschaft bedeutet, dass die Gesundheit von Inhaftierten ein Kernpunkt in Fragen der öffentlichen Gesundheit sein."

Mitschuld an der Misere sind die oft exzessiven Inhaftierungen von Drogenkonsumenten. Weltweit kommen derzeit zwischen 56 und 90 Prozent der Abhängigen, die sich Suchtgift injizieren (vor allem Heroin) im Laufe ihres Lebens zumindest einmal in Haft. Dort endet der intravenöse Drogenkonsum aber nicht. In manchen Teilen Europas injizierten sich 38 Prozent der Gefangenen Heroin, in Australien sind es 55 Prozent der Inhaftierten. Dem gegenüber liegt der Anteil der intravenös Suchtgift Injizierenden an der Gesamtbevölkerung in der EU nur bei 0,3 Prozent, in Australien bei 0,2 Prozent.

In Westeuropa sind die HIV-Raten unter Gefängnisinsassen 20 Mal höher als in der breiten Bevölkerung (4,2 versus 0,2 Prozent). In Ost- und Südafrika liegen diese Quoten bei 15,6 bzw. bei 4,7 Prozent, in Nordamerika bei 1,3 bzw. 0,3 Prozent. Einer von sechs Gefängnisinsassen in Europa und in den USA ist Hepatitis C-infiziert. Zu den wichtigsten Gegenmaßnahmen gehören Spritzentauschprogramme und orale Opiat-Substitutionstherapien. Die Hepatitis C lässt sich mit neuen Medikamenten zu fast hundert Prozent ausheilen, was auch die Infektionsraten senken könnte. HIV/Aids ist durch die modernen Therapien zu einer chronischen Erkrankung geworden. Doch in allen diesen Aspekten sind Gefängnisinsassen weltweit benachteiligt. Die Politik und die Behörden ignorieren in den meisten Ländern, dass intravenöser Drogenkonsum in Gefängnissen weit verbreitet ist.