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Euro HIV Index stellt Österreich schlechtes Zeugnis aus

Brüssel kritisierte am Dienstag, den 13. Oktober, die unzureichende Betreuung der von HIV-Betroffenen in Österreich. Das Health Consumer Powerhouse, eine europäische Organisation, die sich u.a. mit dem Gesundheitssystem beschäftigt, präsentierte ein Ranking (den sogenannten "Euro HIV Index"), welches die Betreuung HIV-Positiver in verschiedenen europäischen Ländern untersucht. In diesem Ranking erlangt Österreich von insgesamt 29 Ländern lediglich den 16. Platz. Von 1000 möglichen Punkten erreicht Österreich nur 704, während Luxemburg, welchem das beste Zeugnis für die Betreuung ausgestellt wurde, 857 Punkte macht, gefolgt von Malta mit 791 und der Schweiz mit 775 Punkten.

Den Hauptgrund für dieses schlechte Abschneiden im internationalen europäischen Vergleich macht das Health Consumer Powerhouse in den fehlenden Rechten und der mangelnden Integration von HIV-positiven Menschen aus. So existieren in Österreich noch immer längst überholte Gesetze, wie z.B. jenes, welches Menschen mit infektiösen Krankheiten, unter welche nach Ansicht des Gesetzgebers auch AIDS, d.h. das Endstadium von HIV, fällt, den Aufenthalt auf öffentlichen Plätzen, das Benutzen von öffentlichen Verkehrsmitteln und den Besuch von Schwimmbädern untersagt. PLUSMINUS, die Zeitschrift der österreichischen AIDS-Hilfen, hat auf diese Missstände in einem umfassenden Diskriminierungsbericht in der 4. Ausgabe des Jahres 2008 hingewiesen (hier nachzulesen: http://www.aidshilfe-salzburg.at/inhalt/plusminus-42008). Des Weiteren haben illegale Einwanderer noch immer keinen Zugang zum Gesundheitssystem, ein Umstand, der nicht nur den Hippokratischen Eid zu einer Farce werden lässt und damit unethisch ist, sondern für die Republik Österreich im internationalen Vergleich ein Armutszeugnis darstellt: So gibt es bei unseren deutschen Nachbarn bereits seit längerer Zeit medizinische Hilfsprojekte, an welche sich Migranten ohne Aufenthaltserlaubnis wenden können. Noch dazu werden einige virale Infektionskrankheiten, wie z.B. HIV, bei Nichtbehandlung leichter weitergegeben als bei erfolgreicher Therapie.

Beatriz Cebolla, die Direktorin des Euro HIV Index, kritisiert, dass es in Österreich keine Körperschaft oder ein Programm gibt, welches HIV-Agenden generell koordiniert. Auf diese Weise könne jeder Bereich tun, was er will, während Untersuchungen und Berichte dem Gesundheitsministerium unterliegen.
Das Health Consumer Powerhouse mahnt die europäischen Staaten, dass im Kampf gegen HIV/AIDS noch viel zu tun sei. Die medizinische Versorgung und die Bedingungen für HIV-positive Menschen müssen unbedingt verbessert werden, damit sich das Virus nicht weiter ausbreiten kann. Zahlreiche Länder täten gut daran, ihren Umgang mit der Krankheit zu überdenken und die Situation der Betroffenen radikal zu verbessern.
Doch trotz steigender Infektionsraten in Europa, kürzen viele Länder ihre Ausgaben. Dabei gibt es im Kampf gegen HIV/AIDS noch viel zu tun, da sexuelle Risiken wieder bereitwilliger in Kauf genommen werden. Auch das Unding, HIV-positive Menschen, die unwissentlich und unabsichtlich andere mit dem Virus anstecken, gerichtlich zu verfolgen, ist in zahlreichen Staaten immer noch nicht aus der Welt geschafft. Zudem gibt es gerade in osteuropäischen Gefängnissen nur unzureichende Maßnahmen gegen die Krankheit.

Der Vollständigkeit wegen hier noch das Länderranking:
1 Luxemburg
2 Malta
3 Schweiz
4 Finnland
5 Niederlande
6 Slowenien
7 Slowakei
8 Norwegen
9 Großbritannien
10 Irland
11 Belgien
12 Frankreich
13 Deutschland
14 Dänemark
15 Spanien
16 Österreich
17 Tschechien
18 Estland
19 Lettland
20 Polen
21 Litauen
22 Portugal
23 Ungarn
24 Schweden
25 Bulgarien
26 Zypern
27 Italien
28 Griechenland
29 Rumänien