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Deutschland: Die Pille, die vor HIV schützt, wird kostengünstig

2016 ist eine Vorbeugung von HIV mit Tabletten in der EU zugelassen worden. Die Kosten dafür waren bis jetzt sehr hoch. Nun soll mit einer Sonderlösung der Preis stark sinken.

Die HIV-Prävention mit speziellen Medikamenten soll nun für Menschen mit hohem Infektionsrisiko leichter zugänglich werden. In Deutschland wird ein Pilotprojekt gestartet. Dieses führt zu einer Kostensenkung von bislang mehreren Hundert Euro auf 50 Euro monatlich. Diese sogenannte „Prä-Expositionsprophylaxe“ (kurz „PrEP“) hat eine kleine Zielgruppe, nämlich hauptsächlich Männer, die Sex mit häufig wechselnden männlichen Partnern haben, auch unter Drogeneinfluss und ohne Kondom.
Zu dem günstigeren Preis wollen einige Apotheken in Großstädten wie Berlin, Köln und München ein Generikum des Medikaments "Truvada" abgeben.
Die PreP könnte langfristig Kosten sparen. Bis 2030 könnten mithilfe des Medikaments etwa 9000 HIV-Infektionen verhindert werden. Die Preis der PrEP ist im Vergleich zu den Kosten für eine lebenslange HIV-Therapie sehr gering.
In Österreich gibt es in den nächsten Monaten noch kein derartiges Pilotprojekt. Es ist aber davon auszugehen, dass auch bei uns das Generikum auf den Markt kommen wird.

Wichtig zu wissen: Vor dem Beginn der PrEP müssen unbedingt ärztliche Untersuchungen gemacht werden (z.B. muss genau geprüft werden, ob die Nieren gut funktionieren). Auch eine bereits bestehende HIV-Infektion muss durch HIV-Tests ausgeschlossen werden. Die Wirkstoffe der PrEP Tabletten reichen nämlich bei einer bestehenden HIV-Infektion nicht aus und HIV könnte auf diese Weise Resistenzen gegen dieses wichtige Medikament bilden. Daher müssen auch nach dem Start der PrEP alle drei Monate HIV-Tests gemacht werden. Kommt es trotz Einnahme der PrEP zu einer Infektion (etwa weil man die Tabletten nicht regelmäßig eingenommen hat), muss das PrEP-Medikament dann abgesetzt werden. Zudem muss alle drei bis zwölf Monate ein Nierencheck gemacht werden.