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Hepatitis B Risiko bei Blutspuren?

Hallo Dr. Leo,

ich arbeite hin und wieder als Aushilfskraft in einer Kneipe. Leider ist mir nun vergangenes Wochenende etwas passiert, das mir nun schon seit einigen Tagen keine Ruhe lässt.

In der Kneipe saß auch ein Gast, der vorher eine Schlägerei hatte und teilweise an den Händen und im Gesicht verletzt war. Der Gast trank noch einige Gläser Bier, die ich jeweils serviert und auch wieder davontrug. Leider habe ich augrund der Hektik und der Anzahl der Gäste überhaupt nicht auf die Verletzungen geachtet. Dies habe ich dann erst später bemerkt. Die Wunden waren zwar noch rel. frisch, aber teilweise auch schon verkrustet.

Trotzdem ist nicht auszuschließen, dass vorher an den Gläsern bzw. anderen Gegenständen Blutspuren waren, da der Gast trotz der Verletzungen alles Mögliche angefasst hat. In der Hektik und der eher dunklen Beleuchtung habe ich am Anfang darauf gar nicht geachtet, sonst hätte ich da schon vorher drauf hingewiesen. Ich selbst hatte zwar keine offenen, größeren Wunden an den Händen, aber trotzdem ein paar kleinere Kratzer (verursacht durch meine Hauskatze, die allerdings nicht mehr sehr frisch waren) und allgemein durch die Kälte eher rissige Hände. Ich hab mir auch mehrfach an die Lippen und die Nase gefasst.

Was mich nun sehr beunruhigt ist die Tatsache, dass ja öfter davon die Rede ist, dass bei Hepatitis B bereits mikroskopisch kleine Hautverletzungen ausreichend sein können. Die Kratzer könnte man doch durchaus als mikroskopische Verletzungen betrachten? Gegen Hepatitis B bin ich leider nicht geimpft.

Oder mache ich mir hier zuviele Gedanken, und ist es vielmehr so, dass zwar HBV im Vergleich zu HCV und HIV viel leichter, das aber noch lange nicht leicht bei solchen Situationen überträgt?

Könnte man das auch so sehen, dass ein Risiko vor allem dann bestünde, wenn eben kontaminierte Gegenstände die Haut verletzen und somit die Viren mehr oder weniger aktiv in den Blutkreislauf eingebracht werden, z.b . durch Tatoos, Piercings, Nagelscheren, Spritzenbesteck. Andererseits aber derartig oberflächliche Kontake auch bei HBV nicht ausreichend sind?

Vielen Dank für Deine Info, die mich hoffentlich wieder beruhigt und gleichzeitig dazu beiträgt, dass ich hier ein objektiveres Bild bekomme.

 

 

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Hallo Thomas_74!

Es ist zwar richtig, dass Hepatitis B um ein Vielfaches infektiöser ist als HIV und daher bereits über mikroskopisch kleine Blutmengen übertragen werden kann (wobei das selten passiert, die meisten Menschen stecken sich mit HBV beim ungeschützten Sex oder über benutzte Spritzen an). Allerdings sind die von Dir beschriebenen Wunden keine Eintrittspforten für HBV. HBV kann nur dann übertragen werden, wenn man akut blutende Kratzer, Wunden etc. hat. Wenn Wunden, Kratzer oder rissige Hautstellen nicht akut bluten, dann ist auch kein Zugang zu einem Blutgefäß geöffnet und das fremde Blut könnte nicht in die Blutbahn geraten weshalb eine Ansteckung mit HBV dann nicht möglich ist. Im Übrigen sind aber auch frisch blutende Verletzungen als Eintrittspforten praktisch nicht relevant, weil der Blutfluss dem fremden Blut das Eindringen sehr erschwert. Es ist also richtig, dass ein Risiko hauptsächlich dann besteht, wenn Gegenstände, auf denen sich infiziertes Blut befindet, Blutgefäße verletzen und das fremde Blut dabei direkt in die Blutbahn gerät.

Liebe Grüße!

Dr. Leo Lust